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Über den Aronstab

Aronstab ist weder lauwarm noch zu stark, sondern hat eine gleichmäßige und durchmischte Wärme, wie die Sonne nach ihrem Aufgang sanfte Wärme besitzt und wie der Tau im Sommer vor Tagesanbruch mild ist, und deshalb kann er zu allem nutzbar gemacht werden wie ein liebenswürdiger Mann, der auch Gefahren ertragen kann und zu Recht Wohlstand erlangt.

Und wenn bei irgendeinem Menschen seine Fäulnis, das heißt der Unflat, zu einer schwarzen Blase wird, in der eine Todesgefahr für den Menschen steckt, die seliga heißt, dann soll man dem (Betroffenen) die Blätter oder die Wurzel dieses Krauts zu essen geben, und es mildert die übergroße Hitze und die übergroße Kälte, die in dieser Blase stecken, so dass sie sanft nachlässt.

Und wenn ein Mensch so gichtbrüchig ist, dass alle seine Glieder versagen und niederfallen und seine Zunge beim Sprechen versagt, sollen ihm alsbald die Blätter der Aronstabs mit etwas Salz zu essen gegeben werden, und die Lähmung wird nachlassen. Oder wenn sie noch nicht nachlässt, soll dessen Wurzel in gekochten Honig getaucht und ihm alsbald zu essen gegeben werden, und es wird ihm besser gehen, weil die Milde der Kräfte dieses Krauts, vermischt mit der Wärme des Salzes oder mit der Wärme des Honigs, die Lähmung der Glieder und die Lähmung der Zunge mildert.

Aber auch ein Mensch, der ein schleimiges Fieber im Magen hat, aus dem verschiedenartiger Schüttelfrost erwächst, soll die Wurzel des Aronstabs in reinem Wein kochen und erkalten lassen. Dann soll er einen feuerheißen Stahl in diesen Wein tauchen, um ihn erneut zu erhitzen, und ihn so heiß trinken: Er entfernt sowohl den Schleim, der im Magen ist, als auch das Fieber von ihm so, wie das Feuer Schnee zerfließen lässt, da dieses Kraut, vermischt mit der Wärme des Weines und der Kraft des Stahls, den Schleim des Magens und jener Fieber beseitigt.

Der Mensch, in dem die Schwarzgalle zunimmt, hat ein bitteres Gemüt und ist immer traurig. Er soll oft Wein trinken, der mit Aronstabwurzel gekocht ist, und (dieser) vermindert das melancholische Fieber in ihm, das heißt es verschwindet, wie gesagt, weil der mit der Wärme des Weines vermischte (Aronstab) die Kälte der Melancholie verringert und das Gemüt den Menschen froh macht.

Achtung – der Aronstab ist eine Giftpflanze!
Ich übernehme keine Haftung für diese Rezepturen.

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Über das Quecksilber

Die Erde enthält eine bestimmte Feuchtigkeit, aus der heraus Bäume und Kräuter und Gräser und alles, was auf der Erde wächst, grünen.
Diese Feuchtigkeit ist manchmal an bestimmten Orten ähnlich wie Spinngewebe und bringt bestimmte Würmchen hervor, die diesem ähneln und in dieser Feuchtigkeit und in diesem Gespinst liegen, bis sie zur vollen Größe heranwachsen.
Sie geben Schaum ab, und dieser ist äußerst unrein und kocht zu Quecksilber auf.

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Hildegard von Bingen über den April

Durch den vierten Monat, der grün ist, Duft verbreitet und wie aus Furcht donnert, wird die Nase bezeichnet. Mit ihr zieht der Hauch der Seele den Geruch von allem ein, was der Mensch sich in Furcht auswählt, und entlässt ihn wieder.

Diesem Monat gleicht der Mensch, der durch den Hauch der Vernunft in seinem Wissen die Grünkraft der guten Werke weise erwählt. In diesem Menschen gedeihen alle Früchte und er bringt Wohlgerüche hervor. Denn mit dem süßesten Geruch wird der Ruf seiner Rechtschaffenheit und Nützlichkeit zum Lobe Gottes überall verbreitet.
Aber der Lärm der widerwärtigen und schlechten Menschen verschmäht oft die Tugenden und guten Werke jenes Menschen und bezeichnet ihn als ungerecht und böse. …
Wie nämlich dieser Monat gefährlich und furchterregend donnert und trotzdem die Früchte der Erde nicht austrocknet, so dörren auch die Kräfte und Tugenden des seligen Menschen durch die genannten bösen Reden nicht aus, sondern die, die mit ihren Zähnen gegen ihn knirschen, verlieren ihre Kraft

Und der Mensch wählt mit dem Hauch der Vernunft das Edelste und Süßeste aus und zieht es durch die Nase ein, das Stinkende und Hässliche verwirft er. So verdient er ewigen Lohn und wird von den Menschen mit Lob geehrt. Sein Verfolger dagegen bleibt ohne den himmlischen Lohn und kann auf Erden niemals von den Menschen in Wahrheit gelobt werden. Wer nämlich Gott fürchtet und liebt, hütet seinen Sinn vor allem, was schlecht ist, wie der Mensch seine Nase von etwas Stinkendem, Unreinen abwendet. 


Foto: Renate Keim
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Über den Hanf

Hanf ist warm und wächst, wenn die Luft weder übermäßig heiß noch übermäßig kalt ist, und so ist auch seine Natur.
Sein Samen hat heilende Wirkung und wirkt bei gesunden Menschen, wenn sie ihn essen, gesunderhaltend:

Er ist in ihrem Magen leicht und nützlich, indem er den Schleim ein wenig aus dem Magen entfernt, und er kann leicht verdaut werden, wenn der Mensch nicht sehr geschwächt ist, und er vermindert die schlechten Säfte und macht die guten Säfte stark.
Und wenn jemand einen schwachen Magen hat, soll er Hanf in Wasser wie einen Brei kochen und essen, und er lässt ihn aufstoßen und bringt ihm auch eine leichte Verdauung.
Wer aber sehr geschwächt ist, dem macht er auch im Magen etwas Schmerzen. Dem jedoch, der etwas schwach ist, schadet er gegessen nicht, wie oben gesagt wurde.
Wer aber einen kalten Magen hat, soll Hanf in Wasser kochen, das Wasser ausdrücken und (den Brei) in ein Tüchlein einrollen und ihn oft so heiß über den Magen legen. Und da die Wärme dieses Samens durchdringend ist, erwärmt sie die Kälte des Magens und stärkt den Magen und bringt ihn zu seiner Funktion zurück.

Wer jedoch im Kopf krankt ist und ein leeres Gehirn hat, dem macht Hanf leicht ein wenig Kopfschmerzen, wenn er ihn isst; jenen aber, der einen gesunden Kopf und ein volles Gehirn hat, schädigt er nicht.

Ferner taugt der Stoff, der aus Hanf gemacht ist, zum Verbinden von Geschwüren, weil die Hitze in ihm gemäßigt ist.

Achtung – ich übernehme keinerlei Haftung für diese Rezepturen!

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Über das Veilchen

Das Veilchen ist zwischen warm und kalt.
Aber es ist doch mäßig kalt und wächst von der Süße und Reinheit der Luft, wenn sich die Luft nach dem Winter eben erst zu erwärmen beginnt.

Es wirkt gegen die Verdunkelung der Augen.
Nimm also gutes Öl und erwärme es entweder an der Sonne oder am Feuer in einem neuen Topf, und wenn es warm ist, gib Veilchen hinein, damit es davon dick wird. Gieß es in ein gläsernes Gefäß und heb es darin auf. Und reib zur Nacht mit diesem Öl deine Augenlider ein, aber so, dass es die Augen innen nicht berührt, und es wird die Dunkelheit der Augen vertreiben.

Wenn ein Mensch, der feurige Augen hat, mit diesen schlecht sieht und Schmerzen hat, soll er Veilchensaft nehmen und zweimal so viel Rosensaft und von Fenchelsaft ein Drittel (der Menge) an Rosensaft und füge dem ein wenig Wein hinzu. Und wenn er schlafen gehrt, soll er dieses Augenmittel um die Augen streichen und achtgeben, dass es die Augen nicht von innen berührt.

Auch ein Mensch, der Beschwerden an Kopf oder Nieren hat oder irgendwo von der Gicht geplagt wird, soll Veilchensaft durch ein Tuch streichen und hinreichend Bockstalg zufügen sowie halb soviel altes Schmalz. Das soll er zusammen in einer Schüssel schmelzen und so eine Salbe bereiten und sich mit dieser am Kopf oder wo er sonst Beschwerden hat, einreiben, und es wird ihm besser gehen.

Und wenn jemand an seinem Kopf Schmerzen hat oder wen die Krebse verzehren oder wenn jemand an seinem Körper Geschwüre hat, der soll Veilchensaft nehmen, zu einem Drittel dieses Saftes Olivenöl abwiegen und die Menge des Veilchensaftes an Bockstalg abmessen, das alles zusammen in einem neuen Topf zum Kochen bringen und eine Salbe bereiten.
Und wer Kopfschmerzen hat, soll mit dieser Salbe die Stirn quer einreiben, und es wird ihm besser gehen. Aber auch über Stellen wo Krebs oder andere Parasiten den Menschen verzehren, soll man sich damit einreiben, und sie werden eingehen, wenn sie davon gekostet haben. Auch wo der Mensch an sonstigen Geschwüren leidet, soll er sich mit dieser Salbe einreiben, und er wird seine Gesundheit wiedererlangen.

Und wer am Dreitagefieber leidet, soll Veilchen und ein Drittel Wegerich und zweimal so viel Pfefferkraut wie Wegerich nehmen und diese Kräutlein mit Essig und trockenem Salz öfter essen und er wird geheilt werden.

Und wenn jemand durch die schwarze Galle mit Verdruss in seinem Sinn niedergedrückt ist und seine Lunge dadurch geschädigt wird, der soll Veilchen in reinem Wein kochen, sie durch ein Tuch seihen, diesem Wein Honig und Galgant zufügen sowie Süßholz soviel er will, und so einen Lautertrank herstellen und diesen trinken: Er bekämpft die Schwarzgalligkeit und macht ihn fröhlich und heilt seine Lunge.

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Über den Stahl

Stahl ist sehr heiß und das, was am Eisenerz am stärksten ist.
Und er bezeichnet fast so etwas wie die Göttlichkeit Gottes, deshalb flieht und meidet der Teufel ihn.

Und wenn du Gift in Speise oder Trank vermutest, dann steck, wenn die Speise flüssig ist wie Gemüse (also warmes Mus) oder wie ein Süppchen, einen glühenden Stahl hinein, und wenn Gift darin ist, schwächt er es durch Verdünnen ab. Oder wenn die Speise trocken ist wie Fleisch oder Fisch oder Eier, dann steck den glühenden Stahl in Wein und gieß diesen Wein über die Speise, und wenn Gift darin ist, schwächt er es ab. Oder wenn es Brot ist, dann leg dieses Brot oder eine ähnlich trockene Speise in Wein, der mit einem glühenden Stahl erhitzt wurde, und wenn Gift darin ist, wird dieses darin unterdrückt, so dass es dem Menschen, der es isst, weniger schadet.
Tauch auch glühenden Stahl ins Getränk, sein es Wein oder Maulbeerwein oder Bier oder Wasser oder jedes beliebige Getränk, und wenn Gift darin ist, wird dieses sofort abgeschwächt.
Denn die Kraft des Stahls ist die stärkste Kraft, die nicht zu größerer Stärke von Metallen gesteigert werden kann.

Stahl ist auch die Grundlage aller zum Schneiden dienenden Eisenwaren und hat so große Stärke in sich, dass er, wenn seine Hitze am Feuer aktiviert wird, mit und ohne die Wärme des Weines Gifte abschwächt und sie durch seine gute Wärme und gute Kraft zunichte macht. Denn wenn am Feuer erhitzter Stahl in Speise oder Trank gesteckt wird oder wenn mit glühendem Stahl erhitzter Wein über Speisen – sei es Brot oder Fleisch oder Fisch oder andere derartige Speisen – gegossen wird und wenn dann Gift in ihnen ist, dann wird die Stärke des Giftes gebändigt und geschwächt, weil die Kraft des Stahls so groß ist, dass sie das Gift derart ausdörrt, dass es dem, der es isst oder trinkt, weniger schaden kann:
Wenn irgendein Mensch also vom so (behandelten) Gift gekostet hat, wird es ihn kaum zum Tod führen, auch wenn jener anschwellen oder einige Zeit geschwächt sein sollte; er wird trotzdem dem Tod entrinnen, wenn, wie beschrieben, jenes Gift mit glühendem Stahl abgeschwächt wurde.

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Über die Entstehung der Metalle

Als zu Anbeginn der Geist des Herrn über die Wasser getragen wurde und als das Wasser noch nicht Überschwemmungen anrichtete, sondern ohne die Unruhe der Überschwemmung blieb, ließ der Heilige Geist durch seinen Hauch die Wasser fließen, und so übergossen diese Wasser die Erde und festigten sie, damit sie nicht auseinander brach.

Und dann verwandelte sich dort, wo die feurige Kraft, die im Wasser fließt, die Erde durchdrang, das Feuer dieses Wassers zusammen mit der Erde, die es übergoss, in das Metall GOLD.
Wo aber die Reinheit des überfließenden Wasser die Erde durchdrang, dort wurde die Reinheit des fließenden Wassers zusammen mit der von ihr übergossenen Erde zum Metall SILBER.
Wo aber einen von Winden bewegte Wasserflut die Erde durchdrang, dort verwandelte sich diese Flut zusammen mit der Erde, die sie übergoss, in das Metall Stahl und EISEN. Deshalb sind auch Stahl und Eisen stärker als die übrigen Metalle, wie auch eine von Winden bewegte Wasserflut stärker ist als ruhige Lüfte. 

Und wie der Geist des Herrn die Wasser zum ersten Mal aufwogen ließ, so hat er auch den Menschen zum Leben erweckt und den Kräutern und Bäumen und Steinen die Grünkraft gegeben.

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Hildegard von Bingen über den März

Der dritte Monat ist seinem Wesen nach voller Unruhe. Er bringt Stürme und hat ungesunde Witterung in sich. Mit seinen verschiedenen Winden weckt er alle Keime der Erde.
An diesem Monat erkennt man die Ohren, in denen der Laut von allem Nützlichen und Unnützen ertönt, wodurch der ganze Leib bewegt wird.

Auf ähnliche Weise hat auch die Seele im Leib, der durch sie bewegt, erfüllt und wie von Adern durchflossen wird, eine Auseinandersetzung mit den Kräften der Natur.
Denn der Mensch gleicht mitten in seiner Jugend einem Baum, der zunächst unreife Früchte und später erste seine Früchte hervor treibt. Denn der Mensch trägt in sich Stürme des unruhigen Lebens, wenn er merkt, was er tun könnte, weil sein Mark schon fett und seine Adern gefüllt sind. Dann hat die Seele in ihm eine trauernde und klagende Stimme, weil ihr Schmerz durch seine Sünden mehr und mehr vergrößert wird; denn sie ist das Leben, das alle im Menschen in Bewegung setzt. 

Jener aber ist mehr als gerecht begierig nach Anerkennung, und indem er sich für weise hält, handelt er noch unvernünftiger. Durch seine Verwegenheit und seinen Hochmut ist er wie eine eitrige Wunde. Er verfällt in Lüge, während der Ruf eines guten und ehrenhaften Namens, den er zu haben sucht, sich nie an ihm zeigt. 

Daher wird auch seine Seele tief traurig, durch deren Kräfte das alles ausgeführt wird. Denn in sie kommt alles Gute und Böse zurück, wie auch in den Ohren alles Nützliche und Unnütze widerhallt. Wenn aber der Mensch die Auswüchse des jugendlichen Überschwangs überwunden hat und durch die Gnade Gottes seine Fehler wiedergutmacht und sich dem Besseren zuwendet, dann durchweht die Seele, die vorher traurig war, in ihm alles, Wertvolles und Unnützes und bewegt ihn zur Reue wegen seiner schlechten Taten. Über seine guten und nützlichen Werke aber lässt sie ihn sich freuen, als wäre es an einem paradiesischen Ort. 


Fotos: Renate Keim • Strand von Surendorf/Schwedeneck
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Hildegard von Bingen über den Februar

Der zweite Monat ist seinem Wesen nach reinigend und wird in den Augen versinnbildet. Denn wenn die Augen wässrig, unrein und krank sind, reinigen sie sich bisweilen selbst.

So ist auch die Seele im Menschen wie Saft im Baum. Dann wie durch den Saft alle Früchte des Baumes wachsen, so werden auch durch die Seele alle Werke des Menschen in die Tat umgesetzt. 

Wenn dann die Adern und das Mark des Menschen reif sind, beginnt er nach dem Verlangen des Fleisches zu handeln.
Wenn er das getan hat, seufzt er oft auf, gezwungen vom geistigen Wesen seiner Seele. …


Foto: Renate Keim
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Hildegard von Bingen über den Januar

Der erste Monat, in dem die Sonne wieder steigt, ist kalt und feucht. Er ist voller Widerspruch und schwitzt Wasser aus, das sich in das Weiß des Schnees verwandelt hat.
Daher werden seine Eigenschaften mit dem Gehirn verglichen. Auch es ist kalt und feucht und reinigt sich, indem es wertlose Flüssigkeit durch Ohren und Nase ausscheidet.

So wirkt auch die Seele mit Freude in der Kindheit des Menschen, die weder Arglist noch fleischliches Begehren kennt und die Seele nicht antreibt, gegen ihre Natur zu wirken.
Die Seele ist in der Kindheit, die ihrem eigenen Sehnen nach einfach und unschuldig ist, stark und mächtig.
Später aber, wenn sie die Freude über die kindliche Unschuld entbehrt, wird sie in große Traurigkeit gestürzt, wie ein Fremdling, der aus seiner Heimat vertrieben ist.
Denn die Körpersäfte im Menschen nehmen jetzt zu, er selbst wird von der Fleischeslust befleckt, liebt die Leichtfertigkeit und damit die Gottvergessenheit und findet Freude und Lust an der Tischgesellschaft der Sünder.

Wie nämlich die Sonne sich im ersten Monat wieder erhebt, so ist die Seele im frühen Lebensalter weder gebunden noch verfinstert durch die Lust und Auswirkung der Sünden.
Durch sie wandelt der Mensch mit dem widersprüchlichen Verhalten seiner Unbeständigkeit in die Verhärtung von Niedertracht und Eitelkeit, da ihm die Heiligkeit des rechten Handelns fehlt.
Aber wenn dieser Mensch durch die Belehrungen und Ermahnungen des Heiligen Geistes Tränen vergießt, wird er mit dem süßen Duft des guten Rufes vom Gestank seiner Sünden gereinigt, weil er Unkenntnis und Widerwillen gegen gute Werke meidet.


Foto: Renate Keim
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