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Hildegard von Bingen über den Dezember

Auch der zwölfte Monat hat starke Kälte. Er lässt die Erde gefrieren, bedeckt sie völlig mit dem Schaum der Kälte und macht sie abstoßend und beschwerlich.
Deswegen werden mit seiner Eigenschaft die Füße des Menschen bezeichnet, die sehr vieles zertreten und breittreten und die Erde eindämmen. Sie können sich auch nicht von der Erde in die Höhe heben, sondern stehen auf ihr.

So wird auch die Seele des Menschen schwer befleckt, der in seiner Wut das Blut seines nächsten vergossen hat oder ihm im Streit ein anderes Unrecht zufügte.
Denn wie der Körper nach dem Scheiden der Seele ohne jede Wärme ist und kalt bleibt, so vergisst ohne die Wärme der Gaben des Heiligen Geistes die Seele, in Zorn verhärtet, ihr Wesen. …

Denn im Zorn fließt das Blut des Menschen über. So wird der selbst seiner gesunden Sinne beraubt und sozusagen wahnsinnig.
Wer also derart für die guten Werke der heiligen und reinen Erkenntnis blind ist, wird niemals die Freuden der Heiligkeit besitzen, die er in seinem Zorn befleckt hat. …


Foto: Renate Keim
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Hildegard von Bingen über den November

Der elfte Monat neigt sich und baut die Kälte auf. Er zeigt an sich nicht die Freude des Sommers, sondern die Traurigkeit des Winters. Kälte bricht aus ihm über die Erde und lässt sie Schmutz aufwühlen.
Das macht auch der Mensch nach, wenn er sich zusammenkauert, damit ihn die Kälte nicht durchdringt. Daher häuft er auch, wenn er seine Knie in Traurigkeit beugt, in seinem Herzen schmerzliche Gedanken auf, hält sich gleichsam für Schmutz und hat keinen Blick für die Freude. … 

Und da er die Freude der Jugend nicht mehr hat, wird er traurig durch die Schwächung infolge der Trockenheit, in der er abmagert und durch überflüssige Säfte allmählich verfällt. …

Obwohl aber die Seele den Menschen mit ihren Kräften so überwältigt hat, dass er ihretwegen von den Sünden, die er begangen hat, ein wenig ablässt, kann sie ihn dennoch nicht daran hindern, Begier nach dem Sündigen zu haben. Dann stöhnt sie in ihrem Gefäß, dem Fleisch, in dem sie wohnt; denn sie durchdringt den ganzen Leib und bewegt ihn wie Wind, der in ein Haus weht, dessen Wände er zittern lässt und durch dessen Luken oder Fenster er mit seinem Wehen dringt. …

Das Stöhnen der Seele erhebt sich voller Schmerzen, da der Geschmack ihrer geistigen Natur ihr entfremdet wurde; denn wenn sie nicht durch die Gnade des Heiligen Geistes entfacht ist, stimmt sie, wenn auch gegen ihren Willen, dem Menschen zu, seine Werke auszuführen. Weil sie aber gegen ihren Willen wirkt, hat sie große Traurigkeit, wie auch der Leib manchmal Traurigkeit hat, wenn er gemäß der Natur seiner Seele zu handeln gezwungen ist.


Foto: Renate Keim
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Allgemein Hildegard von Bingen

Meditationsmusik

Video mit Mandalas und Musik (von Hildegard von Bingen) zur Meditation

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Hildegard von Bingen

kleines Video

Ein kurzes Video über das Leben der Heiligen Hildegard von Bingen:

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Hildegard von Bingen über den Oktober

Der zehnte Monat gleicht einem sitzenden Menschen, weil er nicht mit seinen Kräften in Grünkraft auffliegt. Er bringt auch keine Wärme, sondern entblättert die Äste der Bäume und schickt Kälte aus.

So krümmt sich auch der Mensch im Sitzen zusammen, um der Kälte zu entgehen. In diesem Monat zieht er auch seine Kleidung fest an sich, weil der dann durch seine Bekleidung Wärme hat.
So ist auch der Mensch, wenn er im Greisenalter zu frieren beginnt, weiser geworden als früher. Er hat die Lebensart der Jugend satt, lässt das Schwanken zwischen zügellosem und törichtem Verhalten in diesem Alter austrocknen und meidet die Gesellschaft der Toren, damit sie ihn nicht mit ihrer Unwissenheit täuschen. …

Auch die Seele, die als lebendiger und kluger Geisthauch von Gott geschaffen wurde, der ja die wahre Weisheit ist, lehrt die Menschen, an dem festzuhalten was von Gott kommt.
Durch die Gnade Gottes beherrscht sie mit ihren Kräften im seligen Menschen, wie eine Herrin ihre Magd, den Leib, unterwirft ihn sich und erzeugt in ihm Freude an Gutem. …
Mit der Gnade des Heiligen Geistes tröstet die Seele den Leib, führt ihn von den Lastern zu den Tugenden, damit er nicht in Sünden zugrunde geht, und behütet ihn sorgsam.


Fotos: Renate Keim
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Gespräch mit Hildegard von Bingen

Man müsste Flügel haben
rundum voll Augen
in denen noch die Träne
der Sehnsucht steht
wie eine verborgene Pforte
im kreisenden Rad des Ewigen.

Man müsste erzittern können
wie eine Harfe
die der Wind im Vorübergang
zärtlich berührt –
wie eine Posaune
den Ton eines anderen blasen
in den Straßen der Stadt
dass sich die Wächter die Augen reiben
vor dem blendenden Licht
das zu tönen beginnt.

Ich möchte knistern
wie Holz
im wachsenden Feuer
dessen Flamme nicht schweigt
weil die Glut schon am Werk ist.

Du kniest in den frischen Wunden
der Messe
– vor denen der Engel ins Schweigen sinkt –
und funkelst wie edles Gestein
in der Sonne
nicht wissend
dass Du dem Mund der Erde
den Kuss ihres Schöpfers schenkst.

Erblühen wirst du
wie eine Rose
die nicht den Schatten
fallender Blätter kennt
weil aus der Umarmung sie lebt.

Spiegelnde Fläche
in der mein Geliebter
sein Antlitz findet
wie Duft aus feinsten Gewürzen.

Ich möchte trinken vom Quell
der aus dem Herzen des Vaters entspringt
und offene Erde betaut
mit Füller vom Frucht …
„Ich bin die Blume des Feldes“
spricht das lebendige Licht –
„mein ist das Werk“.

Wir tauchen unter im schäumenden Meer
der Kräfte des Himmels
die bauen die Mauern
der goldenen Stadt
mit Straßen aus Feuer und Glas.

Wie Kinder in Einfalt
durch Fenster des Glaubens schauen
die Nasen fest an die Scheiben gedrückt
und sprechen ein verwunderliches O.
„Wie gut – O wie gut ist doch Gott“.

Wir – Klumpen von Erde –
wachen im Herzen des Vaters auf
wie unter den warmen Flügeln der Henne
genug ist’s zu lieben
zu schauen
und zu umarmen.

Wie der Flaum einer kleinen Feder
– nicht zu besiegen vom Schwert –
möchte ich tanzen im Wind
der eigenen Schwere bar
gehalten nur von den Händen Gottes.


entnommen dem Pilgerbuch
der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau

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Hildegard von Bingen

17. September

Der 17. September 1179 ist der Todestag der Hl. Hildegard – daher möchte ich heute an sie erinnern.

Darstellung in der Kirche der Abtei St. Hildegard
Schrein in der Wallfahrtskirche St. Hildegard
Besuch am Schrein im Mai 2019

Leider hat es nicht geklappt mit dem „richtigen“ Start auf dem Pilgerweg heute. Aber immerhin konnte ich in der Dämmerung zumindest noch eine kurze Strecke auf der Via Jutlandica laufen. Die innere Unruhe habe ich dort gelassen.
Der Weg hat Geduld mit mir.

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Hildegard von Bingen über den September

Der neunte Monat ist die Zeit der REIFE und zeigt sich nicht mehr schrecklich durch Unwetter. Allen überflüssigen Saft der Früchte, die zum Essen taugen, nimmt er weg. Denn er trägt alles sicher wie in einem Sack.
Daher ist er auch in seinen Eigenschaften wie der Magen des Menschen, in dem mit der Hitze des Lebens und der anderen Eingeweide alles, was man ihm eingibt, durchgekocht wird; dieses Produkt aus Wärme und Kälte wird in festgesetzter Weise regelmäßig ausgeschieden. Aber dieser Vorgang wird manchmal durch Krankheit gestört, wie auch dieser Monat durch die vorausgehenden Unwetter bisweilen in seiner Regelmäßigkeit gestört wird.

Holunderbeeren

Der Mensch erkennt auch durch den Tastsinn, was zum Essen reif ist, und verzehrt es, damit er nicht von unreifen Früchten in seinen Säften gestört wird und erkrankt, so wie auch dieser Monat den überflüssigen Saft der Früchte beseitigt.
Er selbst strebt auch danach, sich nicht unmäßig, sondern richtig und ausreichend zu erholen, damit nicht seine Körpersäfte von verdorbenem Blut durcheinander gebracht werden.
Auch alles Nützliche sammelt er sorgfältig für sich, wie jemand einen Gegenstand, den er liebt, sorgfältig einschließt, damit er ihm nicht weggenommen wird.
So ist also der Mensch mit seinem Tastsinn dem Magen ähnlich, der das, was er aufnimmt in Wärme und Kälte maßvoll durchmischt, wieder ausscheidet, wie auch in diesem Monat alle Früchte sich reif zeigen, deren Saft später austrocknet. 

Die Seele aber legt einen sehr starken Panzer an, der aufs sorgfältigste gewebt und zusammengefügt ist, nämlich die GEDULD.

Die Geduld ist mit der DEMUT in den Höhen, indem sie den Hochmut überwindet. … und so hält sie alle Werke im richtigen Maß gleichsam in der Reife. Was in Heiligkeit geschieht, heilt sie, indem sie es vor eitlem Ruhm schützt. Was in der Fäulnis der Sünden begangen wird, heilt sie, indem sei es von der Verzweiflung befreit. Die Geduld nämlich ist auf dem richtigen Weg …

Liber Divinorum Operum
1. Teil, 4. Vision


Fotos: Renate Keim
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