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Altchristlicher Segen

Der Herr sei vor dir, 
um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir, 
um dich in die Arme zu schließen 
und dich zu beschützen gegen Gefahren von links und von rechts.

Der Herr sei hinter dir, 
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen

Der Herr sei unter dir; 
um dich aufzufangen, wenn du fällst; 
um dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sei in dir, 
um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, 
um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. 


Quelle: https://www.ekhn.de/

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Zitate

Jüdischer Segensspruch

Ich wünsche dir Augen, 
mit denen Du einem Menschen ins Herz schauen kannst 
und die nicht blind werden, aufmerksam zu sein auf das, 
was er von dir braucht. 

Ich wünsche dir Ohren, 
mit denen Du auch Zwischentöne wahrnehmen kannst, 
und die nicht taub werden beim Horchen auf das, 
was das Glück und die Not des anderen ist. 

Ich wünsche dir einen Mund, 
der das Unrecht beim Namen nennt, 
und der nicht verlegen ist, 
um ein Wort des Trostes und der Liebe zur rechten Zeit. 

Ich wünsche dir Hände, 
mit denen du liebkosen und Versöhnung bekräftigen kannst, 
und die nicht festhalten, 
was du in Fülle hast und teilen kannst. 

Ich wünsche dir Füße, 
die dich auf den Weg bringen, zu dem, was wichtig ist, 
und die nicht stehen bleiben, 
vor den Schritten, die entscheidend sind. 

Ich wünsche dir ein Rückgrat, 
mit dem du aufrecht und aufrichtig leben kannst, 
und das sich nicht beugt, 
vor Unterdrückung, Willkür und Macht. 

Und ich wünsche dir ein Herz, 
in dem viele Menschen zu Hause sind, 
und das nicht müde wird, 
Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen.


Quelle: https://ekhn.de

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Hildegard von Bingen Literatur

Explanatio Regulae Benedicti

Leider konnte ich dieses Jahr nicht an einem Kurs in der Abtei in Eibingen teilnehmen und die Mitgliederversammlung der Akademie St. Hildegard wurde – aus bekannten Gründen – abgesagt. 
Um nicht vollkommen den Bezug zur Thematik zu verlieren, habe ich mir ein kleines Büchlein gekauft, das von Sr. Maura Zátonyi OSB verfasst wurde. 
Einige Abschnitte in dem Buch haben wir in den vergangenen Seminaren angesprochen – und so fühle ich mich zumindest etwas mit dem „Geist der Abtei“ verbunden.

In ihrer gewohnt frischen Art erklärt Sr. Maura in der Einleitung, was genau es mit der Regel Benedikts auf sich hat und warum sie schließlich in den meisten Klöstern angewendet wurde. 

… indem er den scharfen Nagel der Regel weder zu hoch noch zu niedrig, sondern in der Mitte des Rades einschlug, sodass jeder daraus, sei er stark oder gebrechlich oder schwach, nach seiner Möglichkeit in angemessener Weise trinken kann. …

Außerdem geht es um die beiden wichtigsten Punkte im benediktinischen Leben:

1.    In der Discretio (maßvolle Unterscheidung) begründete Menschlichkeit.

2.    In der Gastfreundschaft begründete Ehrfurcht.  

🕂🕂🕂

Ich habe dieses Büchlein sehr gerne gelesen, da es mir half den benediktinischen Geist besser zu verstehen und auch weil mir dadurch klar wurde, warum ich mich in der Abtei so unglaublich wohl gefühlt habe. 

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Hildegard von Bingen Zitate

Hildegard von Bingen über den August

Der achte Monat ist mit seinen Kräften wie ein mächtiger Fürst, der alles in der Fülle seiner Macht besitzt.
Daher strahlt er auch Freude aus.
Er brennt in der Glut der Sonne, hat aber wegen einer gewissen Kühle bereist Tau. Durch seine Gewitter ist er schrecklich, weil sich die Sonne schon ihrem Niedergang zugeneigt hat. 

Seine Eigenschaften zeigen sich in den Händen des Menschen, die sehr viele Werke vollbringen und die Macht des ganzen Körpers in sich tragen, denn alles, was sie können, ziehen sie an sich und speichern es, sodass der Mensch wegen der Werke seiner Hände oft gelobt wird.
Ähnlich erkennt der Mensch auch durch den Geschmacksinn seines Mundes vollkommener als durch die übrigen Sinne die Kräfte von dem, was für ihn nahrhaft ist, und behält es in der Kraft seines Wissens, wie auch dieser Monat in seinen Kräften groß ist.
Der Mensch hat auch Freude in sich, indem er weise unterscheidet, welche kalten und warmen Wesen seiner Gesundheit zuträglich sind, so wie auch dieser Monat die Glut der Sonne und die Kühle des Taus in sich hat. Denn in seinem Wissen wendet er sich ab von dem, was gefährlich und unnütz ist und sammelt das Gute und Nützliche.

So vollenden die Hände kraftvoll in Rechtschaffenheit lobenswerte Werke, wie ein Baumeister in der Beherrschung seines Handwerks alle Teile seines Hauses errichtet, in dem er seine ganze Habe weise aufbewahrt. 

Die Seele aber ist in ihrem Wesen nach kämpferisch und durchdringt mit ihren Wünschen die unerlaubten Begierden des Menschen und überwindet sie.
In reißendem Lauf zieht sie ihre Bahn und steigt vom Beginn ihres Kampfes an zu Gott empor. Sie kämpft mit dem Schild des Glaubens und der gesamten Waffenrüstung der Tugend gegen die Begierden des Fleisches, und wenn sie diese besiegt hat, freut sie sich wie ein Kämpfer, der nach seinem Willen und seiner Absicht seine Feinde überwunden hat. Denn da sie in der Glut der wahren Sonne brennt, lässt sie den Menschen aufseufzen, sodass er in der Kühle der wahren Reue, die alle Sünden ausdörren lässt, Tränen vergießt.

Der Mensch steigt nämlich in der Reue, in der ihm sehr viele Widerstände entgegentreten, hinab, weil er sich in Demut für Schmutz hält, sodass er kaum die Heilung seiner Seele erhofft.
Aber die Seele stellt ihm bald das Kreuz und alle Leiden Jesu Christi vor Augen, durch die die Sünden getilgt werden. So erhebt sie ihn zur Hoffnung empor, aus der die Reue erblüht, während er selbst von Tugend zu Tugend emporsteigt. Er bringt dann durch sie für jedes einzelne Werk, das er durch sie vollbracht hat, die Blüten der guten Werke und heiligen Tugenden hervor, an denen er nie Überdruss bekommen kann. So wird er durch die Reue emporgehoben und schreitet täglich mit großer Kraft voran und sammelt gute und heilige Werke, an denen sich die ganze himmlische Schar im Lobpreis Gottes erfreut. 


Foto: Renate Keim
Ich freue mich, wenn Dir mein Foto gefällt – unter Angabe der Quelle darfst Du es gerne teilen.

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Hildegard von Bingen Zitate

Über den Diptam

Diptam ist mehr warm als kalt und trocken und er enthält die Kräfte des Feuers und des Steins, weil er dauerhaft wie ein Stein in seinen Kräften ist. Und wie das, was aus dem Feuer kommt, darin Hitze enthält, so ist der Diptam wirksam gegen Krankheiten, in denen er sich selbst durchsetzt.

Ein Mensch nämlich, der am Herzen Beschwerden hat, soll aus Diptam hergestelltes Pulver essen, und die Herzbeschwerden werden gedämpft.

Und wenn infolge einer fetten Veranlagung in einem Menschen ein Stein wächst oder gerade zu wachsen beginnt, soll jener Diptam zerkleinern und dieses Pulver häufig zusammen mit Weizenbrot essen, und es hindert den Stein am Wachsen. Ein Mensch, in dem ein Stein gewachsen ist, soll Diptampulver in mit Honig gemischtem Essig geben und das öfter nüchtern trinken, und der Stein in ihm zerbirst, weil die Wärme des Diptams, vermischt mit der Schärfe des Essigs und der Wärme des Honigs, die Kraft des Steins bricht. …

Achtung – ich übernehme keinerlei Haftung für die Rezepturen!

Foto aufgenommen im Bibelgarten im St. Johanniskloster in Schleswig

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Allgemein

Hildegard von Bingen über den Juli

Auch der siebte Monat hat durch die glühende Sonne große Kräfte und lässt die Frucht der Erde reifen und austrocknen. Durch sein Unwetter, die teils Trockenheit, teils Regen bringen, ist er reißend. 

Ähnlich stark sind auch die Ellenbogen durch die Schultern und die Hände, mit denen der Mensch alles Notwendige zusammenholt. 
So versteht auch der Mensch durch den Geruchssinn das Wesen eines jeden Dings, indem er unterscheidet und erkennt, was nützlich und unnütz ist. Das, was zur Erhaltung seiner Natur dient, wählt er aus und sammelt in seiner Brust, damit er nach Austrocknen der schlechten Säfte in Gesundheit wächst. Denn die Körpersäfte, durch die er gemäßigt wird, sollen nicht durch einen verdorbenen, zähen Saft der Kraft des Blutes beraubt werden.

Denn der Mensch zieht mit seinem Wissen alles an sich und bringt es unter seine Herrschaft, sodass damit das Gift aus den Körpersäften ausgestoßen wird und sie selbst in der Kraft der Gesundheit bleiben. Und so ordnet er das mit der Unterscheidungskraft kraftvoll, wie auch die Ellbogen durch die Schulterblätter und Hände stark sind. Auch in seinem Geist behält er alles, was zu seiner Gesundheit dient, und so trifft er für alles, was für ihn notwendig ist, Vorsorge, wie alle Früchte, die in diesem Monat reif sind, schon gesammelt werden. 

Die Seele aber, die Geisthauch Gottes ist, hat einen reißenden Weg, wie auch die Weisheit auf ihrer reißenden Bahn den Umkreis des Himmels umlaufen hat. Daher beginnt und vollendet der Mensch durch sie in der Kraft der sieben Gaben des Heiligen Geistes mit Hilfe seiner fünf Sinne all seine Werke, wie auch der siebte Monat alle Früchte der Erde vollendet. … 


Fotos: Renate Keim
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Stationen

St. Petri Schleswig

Der Dom ist zur Zeit eine große Baustelle, der Turm eingerüstet – daher hier Fotos aus meinem Archiv.

Lettner
Passionsaltar von Hans Brüggemann
1514/21 für das Stift in Bordesholm geschaffen
seit 1666 im Dom von Schleswig
Grabmal von König Friedrich I. von Dänemark
farbig lasierter Backstein
na klar!

Für den Blick lohnt sich der Aufstieg!

Wikingturm, Schlei, Königswiesen mit Wikinger Markt, Schloss Gottorf

Wissenswertes zum Dom

Domsanierung

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Hildegard von Bingen Literatur Zitate

Gebete der heiligen Hildegard

Ich hatte überlegt irgendeine Art von Gebetbuch mit auf den Pilgerweg zu nehmen – für die ruhigen Momente in den Kirchen. Dann habe ich „zufällig“ antiquarisch dieses Buch von Walburga Storch OSB gefunden. Auf der ersten Etappe war es schon dabei und schenkte mir einige schöne Momente.

Heute möchte ich Euch das erste Gebet vorstellen.
Es stammt aus Scivias 1.4 „Die Klage der Seele“

Schmerzliche Pilgerschaft

Ich irre umher im Schatten des Todes
als PILGER im fremden Land;
mein Trost ist das Ziel der Wanderschaft.

Gefährtin der Engel sollte ich sein,
dein lebendiger Hauch, o Gott, im Lehm.
Müßt‘ ich dich nicht erkennen und spüren?

Weh mir, mein Zelt hat nach Norden
das Auge des Leibes gerichtet!
Gefangen wurde ich dort und – ach! –
des Lichtes beraubt und der Freude am Wissen,
mein ganzes Gewand ward zerrissen!
Aus meinem Erbe vertrieben
führte man mich in die Knechtschaft.

Wo bin ich, wie kam ich hierher?
Wer tröstet mich in der Gefangenschaft?
Wie kann ich diese Ketten zerreißen?
Wer schaut wohl nach meinen Wunden,
wer salbt sie mit Öl und erbarmt sich?

O Himmel, erhöre mein Rufen,
du Erbe bebe vor Trauer mit mir!
Ein Fremdling bin ich ohn‘ Trost und Hilfe.

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Allgemein Hildegard von Bingen Zitate

Hildegard von Bingen über den Juni

Der sechste Monat ist durch die Hitze trocken, und beim Wachsen der Früchte erhebt er sich mi dem Wind, der den Früchten die Reife bringt und zuweilen übermäßig Regen ausgießt.

Mit ihm werden die Schultern des Menschen bezeichnet, die in ihrer Wärme Trockenheit haben und jede Arbeit unterstützen, jedes Werk durchführen und den gesamten Körper aufrecht halten. Trotzdem suchen sie bisweilen statt ihrer Arbeit Ruhe, wie ein Vogel vor Müdigkeit seine Flügel sinken lässt und wie die Wurzel ihre Verzweigungen zusammenhält. Auf die gleiche Weise ist der zweite Sinn, das Gehör, gleichsam der kleine Flügel der Vernunft zum Verstehen der Worte, die er aufnimmt. 

So kommt es, dass der Mensch, während die Ohren den Laut jedes einzelnen Geschöpfes aufnehmen, erkennt, was dieses Geschöpf ist oder wo es sich befindet. 
Dadurch strengt er seinen Geist mehr an, es zu erforschen. Denn die Kraft der Seele, die durch die Ohren empfindet, hat keine Mühe mit dem Hören und hat nicht aus Überdruss satt daran, sondern sie hat vielmehr das Verlangen, vieles zu erkennen und sich zu merken. 

So dehnt auch der sechste Monat, der nicht feucht ist, die Früchte, die er mit seiner milden Wärme hervorgeholt hatte, durch vielfache Zunahme aus und beginnt in ihnen die Reife. Und wie in diesem Monat sich Wassermassen unter dem gefährlichen Grollen des Donners in Furcht ergießen, so ist auch unter dem, was das Gehör über die menschlichen Angelegenheiten gelassen zulässt, vieles, was der Mensch mit Schrecken und Trauer aufnimmt.

Das Gehör ist der Anfang der vernunftbegabten Seele. Denn wir Worte, die geschrieben werden, vorher ausgesprochen werden, so wird alles, was über das Gehör ausgesprochen und zusammengestellt wurde, nach der Absicht des Menschen ausgeführt. 
Die Seele wird dennoch gezwungen, das alles, Gutes und Schlechtes, Wertvolles und Unnützes, zu ertragen, obwohl sie schon beim Beginn des Hörens wegen ihrer Seufzer und Tränen, weil sie noch keine guten Taten begann, sich nicht voll freuen konnte.

Auch die Schultern, die die Feuchtigkeit der Eingeweide und der anderen Glieder des Menschen wie auch den ganzen Körper unterstützen, haben einige Ähnlichkeit mit dem Gehör, das der Anfang der Seele ist und durch das alle Werke vollendet werden, wie von den Schultern alle Lasten getragen werden. Wie nämlich die Eingeweide miteinander zusammenhängen, so stehen auch die Werke des Menschen miteinander in Verbindung.

An den guten Taten, durch die die Bösen beschuldigt werden, hat der Mensch Freude, und durch die schlechten, an denen man die guten erkennt, wird er traurig. Und so wird er, bereits wenn er noch in der Freude bleibt, bald in Traurigkeit gestürzt. Deshalb sucht er auch Ruhe, wie ja ein Mensch oft die Ruhe ersehnt, die er nicht haben kann. Daher wird auch die Seele, die, solange sie im Leib weilt, keine Ruhe findet, für das Gute in den ewigen Zelten aufgenommen, für das Böse nach dem, was sie verdient, bestraft.

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Stationen

Es geht los!

Ich starte meine 1. Etappe am Pfingstsonntag auf dem Parkplatz von Schloss Gottorf. Da ich schon seit einiger Zeit sehr schlecht zu Fuß bin, habe ich mich entschieden den Pilgerweg mit dem Fahrrad abzufahren.

Schleswig – Schloss Gottorf

An der Kreuzung der Zufahrt zum Schloss teilt sich die Via Jutlandica in einen östlichen und einen westlichen Teil. Mein Weg soll über Lübeck führen – auch wenn der länger ist.

Am Ufer der Schlei entlang geht es direkt auf den Dom zu. Fußgänger können sich rechts auf dem Weg halten und durch die Königswiesen gehen. Ich folge dem Fahrradweg, der links an der Hauptstraße entlangführt und komme an der Domschule vorbei. Ich mag glasierte Backsteine so sehr!

Dom St. Petri

Der Dom wird zur Zeit aufwendig saniert, die Kirchenfenster restauriert. Als ich dort ankomme, findet gerade ein Gottesdienst statt – daher keine aktuellen Fotos vom Innenraum.

das alte Fischerdorf Holm

Fast zu schön um wahr zu sein und die Touristenattraktion in Schleswig! Ich habe Glück, dass ich Fotos ohne Menschen machen kann.

Kloster St. Johannis

Ein zauberhafter Ort – direkt am Schleiufer. Ich werde nochmal wieder kommen, wenn ich einen Besichtigungstermin gemacht habe. (Das Kloster ist nicht ohne Anmeldung zugänglich.)

Bibelzentrum
Bibelgarten

An der Friedhofsmauer entlang geht es weiter …

Raus aus dem Ort und ruck zuck befinde ich mich auf einem gut befestigten Sandweg. Der Pilgerführer verrät mir, dass es die alte Kreisbahntrasse ist. Ich komme zügig mit dem Rad voran – vorbei an einem Sportplatz, einem Kieswerk und einer Windmühle – immer geradeaus.

Schutzhütte und Rastplatz mit herrlichem Blick auf die Schlei. Ich mache eine Pause, esse mein Brötchen und bin dankbar für den Tag.

Noch so ein Unterstand – ist das nicht bezaubernd?

Hier biege ich ab, denn ich möchte mir die Kirche ansehen.

Moldenit

St. Jacobus Kirche in Moldenit

Leider nicht geöffnet, aber trotzdem schön!
Der Pilgerführer weist mich daraufhin, dass diese Kirche die erste auf dem Weg ist, die nach JACOBUS benannt wurde.

St. Marien Kirche in Kahleby

Der Gottesdienst für die Konfirmation ist gerade beendet und ich habe die Möglichkeit kurz in das wundervolle Innere zu schauen!

Füsinger Au

Beim Hinweis am Geelen Krog nehme ich den falschen Weg. Dadurch verpasse ich die Kirche von Brodersby – werde aber mit einer wunderschönen Landschaft entschädigt.

St. Andreas in Brodersby

Schließlich komme ich in Missunde an und nehme die Fähre über die Schlei.

Nun führt der Weg durch ein Waldgebiet. Anfangs muss ich das Rad den schmalen, steilen Weg hinaufschieben und ärgere mich, dass ich nicht die Straße genommen habe.

Schnell wird der Weg aber wieder breiter.
Ich mache an einem besonders schönen Fleckchen Rast und schaue über die Schlei rüber nach Louisenlund.
„Leben, wo andere Urlaub machen!“ Wie sehr stimmt doch dieser Werbeslogan von Schleswig-Holstein!
Ich muss unbedingt mal mit dem Hund hier spazieren gehen!

Weiter geht es Richtung Kosel. So langsam bin ich erschöpft von all den Eindrücken und halte auf einem Schotterparkplatz an. Ich lehne das Rad an einen Pfahl und schaue direkt auf das Zeichen mit der Jacobsmuschel. Huch! Dann drehe ich den Kopf kurz nach links und schaue direkt auf die Kirche …

St. Laurentius Kirche Kosel

Die Kirche ist offen und einladend. Ich nehme auf der Kirchenbank Platz und schaue mich um: alte Deckenmalereien, ein Taufstein aus Granit …
Besonders willkommen fühle ich mich – man kann Kerzen anzünden und es gibt Postkarten (und Briefmarken!), damit der Pilger einen Gruß nach Hause schicken kann.

Der Pilgerführer verrät mir, dass diese Feldsteinkirche um 1200 aus Granitfindlingen gebaut wurde. Ich gehe nochmal rund um die Kirche herum, bewundere die alten Grabplatten und den mächtigen Kirchturm.

Nun geht es wieder in die Natur.
Vor mir auf dem Weg plötzlich ein Auto und ein nackter Mann – ach ja, hier soll es eine Badestelle geben! Ich komme zum Naturschutzgebiet am Bültsee. Ein altes Tor und ein schiefer Bootssteg haben einen „lost places“ Charm.

Ich muss das Fahrrad einige Mal durch Stahltore schieben, die sich mit einer großen Feder selbst schließen. Sehr schwierig, wenn man alleine unterwegs ist (und den nackten Mann wollte ich nicht um Hilfe bitten!). Dann stehe ich auf einer Wiese und sehe am Seeufer eine Kuh mit ihrem Kalb. Welch eine Idylle!

Durch kniehohes Gras schiebe ich das Rad nun weiter und bin dann plötzlich an der B76. Die Muschel zeigt nach rechts.
Aber für heute habe ich genug! Ich wende mich nach links und radle bis zur Carlshöhe in Eckernförde wo mich mein „Shuttle“ abholt.


Mein Fazit der ersten Etappe:
Nachdem ich viele Bedenken hatte, war der Start doch relativ einfach. Wie immer im Leben – wenn der erste Schritt getan ist, dann läuft es irgendwie weiter. Ob nun langsam oder schnell, das ist gar nicht entscheidend – so lange es nur vorwärts geht! Und „falsche“ Wege können manchmal sehr bereichernd sein.
Aber die beste Erkenntnis hatte ich am Abend:
Ich hatte mich gewundert, warum mir der letzte Teil des Weges so anstrengend vorkam. Hatte das der Erschöpfung zugeschrieben. Als ich dann das Fahrrad näher betrachtete sah ich, dass die Bremse am Hinterrad sich fest gestellt hatte. Das musste beim Durchqueren einer der Tore passiert sein.

Ich habe mich selbst ausgebremst!

Was für eine Lektion am 1. Tag. 🙂
Ich freue mich auf die Fortsetzung!