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Hildegard von Bingen Zitate

Über den Aronstab

Hildegard von Bingen • Physica 1.49

Aronstab ist weder lauwarm noch zu stark, sondern hat eine gleichmäßige und durchmischte Wärme, wie die Sonne nach ihrem Aufgang sanfte Wärme besitzt und wie der Tau im Sommer vor Tagesanbruch mild ist, und deshalb kann er zu allem nutzbar gemacht werden wie ein liebenswürdiger Mann, der auch Gefahren ertragen kann und zu Recht Wohlstand erlangt.

Und wenn bei irgendeinem Menschen seine Fäulnis, das heißt der Unflat, zu einer schwarzen Blase wird, in der eine Todesgefahr für den Menschen steckt, die seliga heißt, dann soll man dem (Betroffenen) die Blätter oder die Wurzel dieses Krauts zu essen geben, und es mildert die übergroße Hitze und die übergroße Kälte, die in dieser Blase stecken, so dass sie sanft nachlässt.

Und wenn ein Mensch so gichtbrüchig ist, dass alle seine Glieder versagen und niederfallen und seine Zunge beim Sprechen versagt, sollen ihm alsbald die Blätter der Aronstabs mit etwas Salz zu essen gegeben werden, und die Lähmung wird nachlassen. Oder wenn sie noch nicht nachlässt, soll dessen Wurzel in gekochten Honig getaucht und ihm alsbald zu essen gegeben werden, und es wird ihm besser gehen, weil die Milde der Kräfte dieses Krauts, vermischt mit der Wärme des Salzes oder mit der Wärme des Honigs, die Lähmung der Glieder und die Lähmung der Zunge mildert.

Aber auch ein Mensch, der ein schleimiges Fieber im Magen hat, aus dem verschiedenartiger Schüttelfrost erwächst, soll die Wurzel des Aronstabs in reinem Wein kochen und erkalten lassen. Dann soll er einen feuerheißen Stahl in diesen Wein tauchen, um ihn erneut zu erhitzen, und ihn so heiß trinken: Er entfernt sowohl den Schleim, der im Magen ist, als auch das Fieber von ihm so, wie das Feuer Schnee zerfließen lässt, da dieses Kraut, vermischt mit der Wärme des Weines und der Kraft des Stahls, den Schleim des Magens und jener Fieber beseitigt.

Der Mensch, in dem die Schwarzgalle zunimmt, hat ein bitteres Gemüt und ist immer traurig. Er soll oft Wein trinken, der mit Aronstabwurzel gekocht ist, und (dieser) vermindert das melancholische Fieber in ihm, das heißt es verschwindet, wie gesagt, weil der mit der Wärme des Weines vermischte (Aronstab) die Kälte der Melancholie verringert und das Gemüt den Menschen froh macht.

Achtung – der Aronstab ist eine Giftpflanze!
Ich übernehme keine Haftung für diese Rezepturen.

Von holundra

Phytotherapie • Hildegard von Bingen • Alchemie • Kunstgeschichte • Tier & Natur

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