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Hildegard von Bingen

Über den Februar

Der zweite Monat ist seinem Wesen nach reinigend und wird in den Augen versinnbildet. Denn wenn die Augen wässrig, unrein und krank sind, reinigen sie sich bisweilen selbst.

So ist auch die Seele im Menschen wie Saft im Baum. Dann wie durch den Saft alle Früchte des Baumes wachsen, so werden auch durch die Seele alle Werke des Menschen in die Tat umgesetzt. 

Wenn dann die Adern und das Mark des Menschen reif sind, beginnt er nach dem Verlangen des Fleisches zu handeln.
Wenn er das getan hat, seufzt er oft auf, gezwungen vom geistigen Wesen seiner Seele. …


Foto: Renate Keim
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Hildegard von Bingen

Über den Januar

Der erste Monat, in dem die Sonne wieder steigt, ist kalt und feucht. Er ist voller Widerspruch und schwitzt Wasser aus, das sich in das Weiß des Schnees verwandelt hat.
Daher werden seine Eigenschaften mit dem Gehirn verglichen. Auch es ist kalt und feucht und reinigt sich, indem es wertlose Flüssigkeit durch Ohren und Nase ausscheidet.

So wirkt auch die Seele mit Freude in der Kindheit des Menschen, die weder Arglist noch fleischliches Begehren kennt und die Seele nicht antreibt, gegen ihre Natur zu wirken.
Die Seele ist in der Kindheit, die ihrem eigenen Sehnen nach einfach und unschuldig ist, stark und mächtig.
Später aber, wenn sie die Freude über die kindliche Unschuld entbehrt, wird sie in große Traurigkeit gestürzt, wie ein Fremdling, der aus seiner Heimat vertrieben ist.
Denn die Körpersäfte im Menschen nehmen jetzt zu, er selbst wird von der Fleischeslust befleckt, liebt die Leichtfertigkeit und damit die Gottvergessenheit und findet Freude und Lust an der Tischgesellschaft der Sünder.

Wie nämlich die Sonne sich im ersten Monat wieder erhebt, so ist die Seele im frühen Lebensalter weder gebunden noch verfinstert durch die Lust und Auswirkung der Sünden.
Durch sie wandelt der Mensch mit dem widersprüchlichen Verhalten seiner Unbeständigkeit in die Verhärtung von Niedertracht und Eitelkeit, da ihm die Heiligkeit des rechten Handelns fehlt.
Aber wenn dieser Mensch durch die Belehrungen und Ermahnungen des Heiligen Geistes Tränen vergießt, wird er mit dem süßen Duft des guten Rufes vom Gestank seiner Sünden gereinigt, weil er Unkenntnis und Widerwillen gegen gute Werke meidet.


Foto: Renate Keim
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Hildegard von Bingen

Über den Dezember

Auch der zwölfte Monat hat starke Kälte. Er lässt die Erde gefrieren, bedeckt sie völlig mit dem Schaum der Kälte und macht sie abstoßend und beschwerlich.
Deswegen werden mit seiner Eigenschaft die Füße des Menschen bezeichnet, die sehr vieles zertreten und breittreten und die Erde eindämmen. Sie können sich auch nicht von der Erde in die Höhe heben, sondern stehen auf ihr.

So wird auch die Seele des Menschen schwer befleckt, der in seiner Wut das Blut seines nächsten vergossen hat oder ihm im Streit ein anderes Unrecht zufügte.
Denn wie der Körper nach dem Scheiden der Seele ohne jede Wärme ist und kalt bleibt, so vergisst ohne die Wärme der Gaben des Heiligen Geistes die Seele, in Zorn verhärtet, ihr Wesen. …

Denn im Zorn fließt das Blut des Menschen über. So wird der selbst seiner gesunden Sinne beraubt und sozusagen wahnsinnig.
Wer also derart für die guten Werke der heiligen und reinen Erkenntnis blind ist, wird niemals die Freuden der Heiligkeit besitzen, die er in seinem Zorn befleckt hat. …


Foto: Renate Keim
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Zitate

Segen aus Ägypten

Der Herr segne dich:
Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Arme mit Kraft.
Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen.
Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen.
Er erfülle deinen Mund mit Jubel und dein Herz mit Freude.
Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste:
stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft,
der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
ES SEGNE DICH DER HERR.


Quelle: https://www.ekhn.de

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Hildegard von Bingen

Über den November

Der elfte Monat neigt sich und baut die Kälte auf. Er zeigt an sich nicht die Freude des Sommers, sondern die Traurigkeit des Winters. Kälte bricht aus ihm über die Erde und lässt sie Schmutz aufwühlen.
Das macht auch der Mensch nach, wenn er sich zusammenkauert, damit ihn die Kälte nicht durchdringt. Daher häuft er auch, wenn er seine Knie in Traurigkeit beugt, in seinem Herzen schmerzliche Gedanken auf, hält sich gleichsam für Schmutz und hat keinen Blick für die Freude. … 

Und da er die Freude der Jugend nicht mehr hat, wird er traurig durch die Schwächung infolge der Trockenheit, in der er abmagert und durch überflüssige Säfte allmählich verfällt. …

Obwohl aber die Seele den Menschen mit ihren Kräften so überwältigt hat, dass er ihretwegen von den Sünden, die er begangen hat, ein wenig ablässt, kann sie ihn dennoch nicht daran hindern, Begier nach dem Sündigen zu haben. Dann stöhnt sie in ihrem Gefäß, dem Fleisch, in dem sie wohnt; denn sie durchdringt den ganzen Leib und bewegt ihn wie Wind, der in ein Haus weht, dessen Wände er zittern lässt und durch dessen Luken oder Fenster er mit seinem Wehen dringt. …

Das Stöhnen der Seele erhebt sich voller Schmerzen, da der Geschmack ihrer geistigen Natur ihr entfremdet wurde; denn wenn sie nicht durch die Gnade des Heiligen Geistes entfacht ist, stimmt sie, wenn auch gegen ihren Willen, dem Menschen zu, seine Werke auszuführen. Weil sie aber gegen ihren Willen wirkt, hat sie große Traurigkeit, wie auch der Leib manchmal Traurigkeit hat, wenn er gemäß der Natur seiner Seele zu handeln gezwungen ist.


Foto: Renate Keim
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Allgemein

Mein Pucky ist gegangen

Manchmal geht alles so schnell …

Meine wunderbare Dogge Quentin, aka Pucky, ist über die Regenbrücke gegangen.
Sieben Jahre und einen Tag war er bei mir.
Ich bin dankbar, dass ich ihn bis zum letzten Atemzug begleiten durfte.

Im Moment bin ich einfach nur traurig und brauche Zeit, um mich zu sortieren, um mit der Lücke klar zu kommen, die entstanden ist.

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Hildegard von Bingen

Über den Oktober

Der zehnte Monat gleicht einem sitzenden Menschen, weil er nicht mit seinen Kräften in Grünkraft auffliegt. Er bringt auch keine Wärme, sondern entblättert die Äste der Bäume und schickt Kälte aus.

So krümmt sich auch der Mensch im Sitzen zusammen, um der Kälte zu entgehen. In diesem Monat zieht er auch seine Kleidung fest an sich, weil der dann durch seine Bekleidung Wärme hat.
So ist auch der Mensch, wenn er im Greisenalter zu frieren beginnt, weiser geworden als früher. Er hat die Lebensart der Jugend satt, lässt das Schwanken zwischen zügellosem und törichtem Verhalten in diesem Alter austrocknen und meidet die Gesellschaft der Toren, damit sie ihn nicht mit ihrer Unwissenheit täuschen. …

Auch die Seele, die als lebendiger und kluger Geisthauch von Gott geschaffen wurde, der ja die wahre Weisheit ist, lehrt die Menschen, an dem festzuhalten was von Gott kommt.
Durch die Gnade Gottes beherrscht sie mit ihren Kräften im seligen Menschen, wie eine Herrin ihre Magd, den Leib, unterwirft ihn sich und erzeugt in ihm Freude an Gutem. …
Mit der Gnade des Heiligen Geistes tröstet die Seele den Leib, führt ihn von den Lastern zu den Tugenden, damit er nicht in Sünden zugrunde geht, und behütet ihn sorgsam.


Fotos: Renate Keim
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Zitate

Gespräch mit Hildegard von Bingen

Man müsste Flügel haben
rundum voll Augen
in denen noch die Träne
der Sehnsucht steht
wie eine verborgene Pforte
im kreisenden Rad des Ewigen.

Man müsste erzittern können
wie eine Harfe
die der Wind im Vorübergang
zärtlich berührt –
wie eine Posaune
den Ton eines anderen blasen
in den Straßen der Stadt
dass sich die Wächter die Augen reiben
vor dem blendenden Licht
das zu tönen beginnt.

Ich möchte knistern
wie Holz
im wachsenden Feuer
dessen Flamme nicht schweigt
weil die Glut schon am Werk ist.

Du kniest in den frischen Wunden
der Messe
– vor denen der Engel ins Schweigen sinkt –
und funkelst wie edles Gestein
in der Sonne
nicht wissend
dass Du dem Mund der Erde
den Kuss ihres Schöpfers schenkst.

Erblühen wirst du
wie eine Rose
die nicht den Schatten
fallender Blätter kennt
weil aus der Umarmung sie lebt.

Spiegelnde Fläche
in der mein Geliebter
sein Antlitz findet
wie Duft aus feinsten Gewürzen.

Ich möchte trinken vom Quell
der aus dem Herzen des Vaters entspringt
und offene Erde betaut
mit Füller vom Frucht …
„Ich bin die Blume des Feldes“
spricht das lebendige Licht –
„mein ist das Werk“.

Wir tauchen unter im schäumenden Meer
der Kräfte des Himmels
die bauen die Mauern
der goldenen Stadt
mit Straßen aus Feuer und Glas.

Wie Kinder in Einfalt
durch Fenster des Glaubens schauen
die Nasen fest an die Scheiben gedrückt
und sprechen ein verwunderliches O.
„Wie gut – O wie gut ist doch Gott“.

Wir – Klumpen von Erde –
wachen im Herzen des Vaters auf
wie unter den warmen Flügeln der Henne
genug ist’s zu lieben
zu schauen
und zu umarmen.

Wie der Flaum einer kleinen Feder
– nicht zu besiegen vom Schwert –
möchte ich tanzen im Wind
der eigenen Schwere bar
gehalten nur von den Händen Gottes.


entnommen dem Pilgerbuch
der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau

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Zitate

Segen (2)

Der Herr segne dich
und mache die Wege hell, die er dich führt. 
Er lasse dich seine Nähe spüren,
wenn du dich ängstigst, 
und öffne deine Augen und dein Herz
für die Freude und für die Menschen,
die er dir schenkt.

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Hildegard von Bingen

17. September

Der 17. September 1179 ist der Todestag der Hl. Hildegard – daher möchte ich heute an sie erinnern.

Schrein in der Wallfahrtskirche St. Hildegard
Besuch am Schrein im Mai 2019

Leider hat es nicht geklappt mit dem „richtigen“ Start auf dem Pilgerweg heute. Aber immerhin konnte ich in der Dämmerung zumindest noch eine kurze Strecke auf der Via Jutlandica laufen. Die innere Unruhe habe ich dort gelassen.
Der Weg hat Geduld mit mir.

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